Aufruf zum antikapitalistischen Block am 28. MĂ€rz

WIR ZAHLEN NICHT FÜR EURE KRISE!
EINE WELT ZU GEWINNEN — JENSEITS VON KRISE, KRIEG UND KAPITALISMUS

Globaler Sozialer Widerstand gegen ein AbwĂ€lzen der Krisenfolgen – Alternativen zum Kapitalismus erkĂ€mpfen!

Generalstreik in Frankreich, Proteste in Griechenland und Italien. In Island wird die Regierung in die WĂŒste geschickt. Massenproteste gegen koloniale Ungleichheit und Armut auf Guadeloupe. Hungerrevolten in vielen LĂ€ndern des ‘globalen SĂŒdens’. Weltweit stehen wir vor einer neuen Welle von sozialen KĂ€mpfen, einige LĂ€nder sind schon mittendrin.

Am 28.MĂ€rz werden international Menschen gegen die Folgen der kapitalistischen Krise und fĂŒr solidarische Lösungen demonstrieren. In diesen KĂ€mpfen und ihrer globalen Perspektive steckt unsere Hoffnung. In den Bewegungen gegen die Krise kĂ€mpfen wir fĂŒr eine neue Perspektive der Überwindung der kapitalistischen Gesellschaftsordnung. Eine solidarische Gesellschaft ist nur durch den Bruch mit dem Kapitalismus möglich.

Die Krise heißt Kapitalismus

Der Kapitalismus steckt in seiner grĂ¶ĂŸten Krise seit 1929. Weltweit nehmen Armut, Hunger, Perspektiv- und Arbeitslosigkeit zu – und das nicht erst seit letztem Jahr. Das uns seit Jahrzehnten von Politik, Medien und Wirtschaftsweisen vorgebetete Versprechen, der Markt regele das schon, erweist sich endgĂŒltig als TĂ€uschung. Die jetzt viel diskutierte „Krise“ ist nicht nur durch die Profit-Erwartungen der AktionĂ€re oder „Managerfehler“ entstanden, sondern ein dem Kapitalismus innewohnendes, allgemeines und wiederkehrendes PhĂ€nomen. Die Krise ist die Antwort auf die verstĂ€rkten Schwierigkeiten des Kapitals, in globalisierten und ĂŒbersĂ€ttigten MĂ€rkten noch ĂŒberproportionale Profite zu akkumulieren und diese Gewinnspannen auf Kosten der LohnabhĂ€ngigen zu realisieren.

Der neoliberale Kapitalismus funktionierte ĂŒber eine Ausweitung der FinanzmĂ€rkte: Fallende Profitraten der gesamten Wirtschaft konnten dadurch kompensiert werden. Die Grundlage dafĂŒr bildet weltweit verstĂ€rkte Ausbeutung und die Ausdehnung des kapitalistischen Eigentums durch Privatisierungen. Seit Ende der 1970er Jahren ist die Umverteilung von unten nach oben verschĂ€rft worden, breite Bevölkerungsteile sind von Bildung und Sozialsystemen ausgeschlossen worden. Der neoliberale Kapitalismus fĂŒhrte zu Schuldenkrisen, zunehmender Armut, Hunger, imperialen Kriegen und der Vernichtung lebensnotwendiger Ressourcen wie Nahrung und Wasser. Dagegen regt sich schon lange lokaler und globaler Widerstand. Auf die schwindende gesellschaftliche Zustimmung und die zunehmenden WidersprĂŒche und Verteilungskonflikte weltweit reagierten die herrschenden Klassen mit einer Ausweitung der Überwachung der Bevölkerung, autoritĂ€rer Sicherheitspolitik, dem Einsatz der Bundeswehr nach innen und außen, dem Kampf gegen den Terrorismus, Krieg und weiterer Abschottung der Eliten. Doch: Immer mehr Menschen trauen den politischen und wirtschaftlichen Eliten weltweit die Lösung der gesellschaftlichen Probleme nicht mehr zu und fĂŒhlen sich nicht vertreten. Es liegt an uns allen, ob aus dieser Vertrauenskrise eine Alternative zum Kapitalismus entsteht!

Der Staat rettet den Kapitalismus?

Die Regierungen können die Krise nicht lösen, sie werden von ihrem Verlauf ĂŒberrascht. Sollte vorher der Markt alles regeln, ist jetzt der starke Staat als Krisenretter gefragt – darin sind sich die Vertreter des Kapitals und weite Teile der politischen Klasse einig. Die Krisenfolgen sollen begrenzt werden. Doch fĂŒr wen? Wer trĂ€gt die Kosten? Weltweit pumpen die Regierungen Milliarden in die Banken. Dabei geht es nicht um eine Enteignung des Kapitals, sondern im Gegenteil um die Enteignung der Menschen zugunsten der Begleichung riesiger Verluste des Kapitals. Die Kosten der Krise, die Verluste der Unternehmen und Banken, werden auf die Mehrheit der Menschen abgewĂ€lzt, um die privaten Profite zu garantieren. Die Menschen im globalen SĂŒden, die LohnabhĂ€ngigen, Erwerbslosen, RentnerInnen sollen weiter dafĂŒr zahlen.

Kapitalismus heißt Klimakrise! – Der ‘grĂŒne Kapitalismus’ ist keine Lösung
Nach dem Zerplatzen der Finanzblasen sucht das Kapital profitable Anlagemöglichkeiten und Auswege aus der Krise. ‘GrĂŒner Kapitalismus’ heißt das neue Zauberwort. Die Vermarktung der Natur soll ausgedehnt werden, neue Technologien und CO2-Handel sollen die Klimafrage lösen. Wieder soll der Markt die Lösung fĂŒr gesellschaftliche Probleme sein, die der Kapitalismus erst verursacht hat. Dabei werden ökologische und gesellschaftliche Interessen systematisch einem Wachstums- und Profitzwang untergeordnet. Das treibt den Klimawandel weiter voran, untergrĂ€bt die Lebensgrundlagen vieler im globalen SĂŒden und verursacht Hungerkrisen, mangelnde Wasserversorgung und Landvertreibung. Die Dominanz der privaten Profitinteressen und der Zwang zu stĂ€ndigem Wirtschaftswachstum wird in dem Gerede vom grĂŒnen Kapitalismus nicht in Frage gestellt. Profitieren soll das Kapital, das nach neuen Anlagemöglichkeiten sucht: Agrarindustrie, Biotechnologie- und Energiekonzerne.

  • Statt AbwĂ€lzung der Folgen der ökologischen Zerstörung auf die Menschen im globalen SĂŒden: Enteignung und Vergesellschaftung der Energiekonzerne
  • Statt Subventionen fĂŒr Entlassungen, Lohnverzicht und ökologische Zerstörung: Sozial-ökologischer Umbau der Automobil- und Industrieproduktion –    Kostenloser öffentlicher Nahverkehr fĂŒr alle!

 

Statt Milliarden fĂŒr Unternehmen und Banken – soziale Sicherheit fĂŒr alle – weltweit!

‘Selbstbestimmung’ war das Versprechen des Neoliberalismus. FĂŒr viele bedeutete es nur Fremdbestimmung: Hartz 4, Entrechtung und Niedriglöhne. In der Krise mĂŒssen die PrekĂ€ren (Leiharbeiter, Mehrfach- und MiniJobber) als erste dran glauben. Denen, die noch Arbeit haben, werden immer stressigere Arbeitsbedingungen zugemutet. Selbstbestimmung und Teilhabe an Gesellschaft, Mitarbeit an Demokratie und solidarischen Alternativen braucht Zeit und Ausgeruhtheit:

  • Statt Hartz IV und Niedriglöhnen: Bedingungsloses Grundeinkommen von mindestens 1500 EUR fĂŒr alle ! Abschaffung von Sanktionen und ‘Bedarfsgemeinschaft’!
  • Statt Kurzarbeit, Entlassungen und Lohnverzicht in der Krise:
    Radikale ArbeitszeitverkĂŒrzung bei vollem Lohn- und Personalausgleich! Solidarische Umverteilung der gesellschaftlichen Arbeit! Gleiche Lohnsteigerungen fĂŒr alle!
  • Keine Entlassungen, sondern Übernahme und gleiche Bezahlung von LeiharbeiterInnen und befristet BeschĂ€ftigten!

Zur BekĂ€mpfung von Ungleichheit und Armut fordern wir sofortige Maßnahmen fĂŒr den gleichen Zugang aller zu Lebensmitteln, Gesundheits- und Altersvorsorge, Bildung und Kultur. Die Teilhabe an diesen gesellschaftlichen GĂŒtern darf nicht vom Geld abhĂ€ngen oder davon, welchen Pass ein Mensch hat. Sie sind gesellschaftlich zur VerfĂŒgung zu stellen!

  • Bildung und Gesundheitsversorgung kostenlos und fĂŒr alle - gegen das 2-Klassensystem bei der Gesundheitsversorgung!
  • Weg mit dem drei bzw. viergliedrigen Schulsystem! Gegen Privatisierung des Schulsystems und die Unterwerfung der SchĂŒlerInnen und Studierenden unter die Marktlogik durch zunehmend verschĂ€rfte Auslese in Schule und Uni!
  • Gesellschaftliche Teilhabe fĂŒr alle – auch fĂŒr MigrantInnen und Illegalisierte!

Die Dominanz der Profitlogik und die Ökonomisierung aller Lebensbereiche muss beendet werden. Die Wirtschaft muss den BedĂŒrfnissen der Menschen dienen und nicht umgekehrt. Die Notwendigkeit einer gesellschaftlichen Kontrolle der Wirtschaft wird derzeit breit diskutiert - sie stĂ¶ĂŸt jedoch an die Grenzen der kapitalistischen EigentumsverhĂ€ltnisse. Die Eigentumsfrage – die Brechung der Macht der privaten EigentĂŒmer an der gesellschaftlichen Produktion – muss mit dem internationalen Kampf um demokratische Rechte und die Kontrolle der Banken, großen Konzerne und der gesamten Wirtschaft durch die ProduzentInnen und KonsumentInnen verbunden werden.

Verstaatlichung alleine ist keine Lösung: es geht darum, wer ĂŒber den gesellschaftlichen Reichtum, den wir alle produzieren, verfĂŒgen kann, wer ĂŒber Investitionen, Arbeitsbedingungen und ökologische Produktion entscheidet. Wie frĂŒher die Macht der Feudalherren der EinfĂŒhrung der bĂŒrgerlichen Demokratie im Wege stand, ist heute die konzentrierte Macht des Eigentums in Unternehmen, Wirtschaft und Staat ein Hindernis, das jeder wirklichen demokratischen Gestaltung der Gesellschaft entgegensteht.

  • Statt Verstaatlichung der Verluste: EntschĂ€digungslose Enteignung und Vergesellschaftung der Banken und Konzerne unter der demokratischen Kontrolle der LohnabhĂ€ngigen!

 

Kapitalismus heißt Krieg, globale Ausbeutung und Ungleichheit!

Die Krise verschĂ€rft Unsicherheit und treibt die globale Konkurrenz an, verschĂ€rft das weltweite LohngefĂ€lle und fĂŒhrt zu neuen Spaltungen. Diese sind NĂ€hrboden autoritĂ€rer Lösungen: ein autoritĂ€rer Staat, der die Kapitalbesitzer in der Krise (auch prĂ€ventiv) gegen Widerstand absichert; die BekĂ€mpfung der Armen und „Anderen“ anstatt BekĂ€mpfung der Armut und des Rassismus. Die gegenwĂ€rtige Krise verschĂ€rft die Konkurrenz um schwindende MĂ€rkte zwischen den Kapitalen und zwischen imperialistischen Blöcken. Damit einher geht eine permanente Kriegs- und Interventionspolitik aller Staaten, die um die globale Vorherrschaft ringen. Standortnationalismus und protektionistische Tendenzen der ‘Mitte’ können auch ‘völkische’ Antworten der Rechten auf die Krise stĂ€rken. Dagegen mĂŒssen wir nach transnationalen Wegen des Widerstands und der SolidaritĂ€t suchen. Wir brauchen globale BĂŒndnisse von unterschiedlichen gesellschaftlichen KrĂ€ften.

  • Globale SolidaritĂ€t statt globaler Kapitalismus!
  • BekĂ€mpfung der Armut statt BekĂ€mpfung der Armen!
  • Auflösung der Nato! Weltweite AbrĂŒstung statt weiterer Militarisierung!

Welche Projekte zur KrisenbewĂ€ltigung sich durchsetzen, ist noch unklar und darin liegt unser Einsatz. Wenn die Herrschenden eine „NeugrĂŒndung des Kapitalismus“ (Sarkozy und Merkel) fordern, sagen wir: Der Kapitalismus kann die globalen Probleme wie Armut, Unsicherheit, Klimawandel und Umweltzerstörung, Kriege und Demokratieabbau nicht lösen – er verursacht sie! Da hilft auch kein Appell an die Politik und der Glaube an den Staat. Unsere KĂ€mpfe fĂŒr die konkreten Verbesserungen unserer Lebensbedingungen sind Ausgangspunkt fĂŒr eine grundsĂ€tzlich andere, globale Gesellschaftsordnung – jenseits von Krise und Kapitalismus!

Eine Gesellschaft jenseits von Konkurrenz, Armut, Ausbeutung und Lohnarbeit.

Die Demo am 28. MĂ€rz ist der Auftakt eines gesellschaftlichen Kampfes um die Kosten der  Krise und die Perspektiven von VerĂ€nderung. Organisierung wird dabei eine SchlĂŒsselfrage sein. Nur wenn wir uns solidarisch auf gemeinsame Interessen verstĂ€ndigen, kann die Krise des Kapitalismus auch eine Chance bedeuten. Vereinzelt werden wir nichts erreichen, wir mĂŒssen BĂŒndnisse schaffen, in denen viele Menschen und gesellschaftliche Gruppen Platz haben. Wenn wir LohnkĂ€mpfe, Auseinandersetzungen um Mietkosten und soziale Sicherung, die Studierendenstreiks fĂŒr solidarische und öffentliche Bildung und viele andere gesellschaftliche KĂ€mpfe verbinden, können neue Bewegungen fĂŒr eine solidarische Gesellschaft jenseits des Kapitalismus entstehen.

Klassenkampf statt Sozialpartnerschaft! Politischer Streik gegen die Krisenfolgen!

Gegen die Krisenfolgen – fĂŒr eine Welt ohne Kapitalismus: Politischer Streik und sozialer Ungehorsam von BeschĂ€ftigten, Erwerbslosen, PrekĂ€ren, SchĂŒlerInnen, Studierende, MigrantInnen, Menschen mit und ohne Papieren - Hier und in Paris, in London, in Delhi, Mexico, New York, Rejkjavik!
Gemeinsam gegen Standortkonkurrenz -  fĂŒr globale SolidaritĂ€t!

WIR ZAHLEN NICHT FÜR EURE KRISE!
EINE WELT ZU GEWINNEN —
JENSEITS VON KRISE, KRIEG UND KAPITALISMUS!
SO WIE ES IST, BLEIBT ES NICHT.


SAMSTAG | 28. MÄRZ 2009 | 12 UHR
BERLIN | ROTES RATHAUS
FRANKFURT/MAIN | HBF

Um diesen Aufruf zu unterstĂŒtzen, schickt bitte eine Mail mit den entsprechenden Angaben (Name der Gruppe oder Organisation und Link) an: antikap-aufruf[at]kapitalismuskrise.org
 

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